Vereinssatzung & Struktur

Im Zuge der aktuellen Diskussion zur Ausgliederung der ersten Fußballprofimannschaft lohnt sich nicht nur ein Ausblick auf möglicherweise zukünftig kommende Gesellschaftsformen, sondern auch eine Darstellung des Ist-Zustandes unseres Vereins, seiner Satzung und den Rechten und Pflichten von Mitgliedern und Posten bekleidenden Personen.

Eine Vereinssatzung ist so etwas wie die Verfassung des betreffenden Vereins. Sie regelt grundsätzlich sämtliche Vorgänge, bestimmt den Aufbau von internen Strukturen und gibt vor, welche Rechte und Pflichten seine Mitglieder haben.

Grundsätze des Vereins und der Satzung
Zu Beginn werden in der Regel grundsätzliche Bestimmungen festgehalten, die in der Satzung des SCP an erster Stelle den Vereinsnamen festlegen, welcher ausführlich „Sportclub Preußen Münster von 1906 e.V. Münster (Westf.)“ lautet sowie an zweiter Stelle die Farben des Vereins in der Reihenfolge schwarz, weiß und grün [I., § 1]. Der Preußen-Adler als häufig verwendete Symbolik seitens des Vereins und seiner Fans findet im Übrigen keine Erwähnung in der Satzung1.
Darüber hinaus verpflichtet sich der Verein der Gemeinnützigkeit und definiert seinen Zweck als „den Mitgliedern die Möglichkeit zu sportlicher Betätigung zu bieten und diese zu fördern“ [I., § 3]. Festgehalten wird zudem die Unterordnung des SC Preußen hinsichtlich der Regularien und Sanktionskompetenzen des Deutschen Fußball-Bundes e.V., in welchem der Verein Mitglied ist. Auch im SC Preußen können neben natürlichen Personen ebenso Vereine Mitglieder werden, was aktuell den Tennisclub Preußen e. V. und das Fanprojekt Preußen Münster e. V. betrifft.

Die Organe des Vereins
Den mit Sicherheit interessantesten und wohl auch komplexesten Teil der Satzung des SC Preußen nehmen die Regularien ein, welche die Organe mit ihren Rechten und Pflichten betreffen. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Ausgliederung der ersten Profimannschaft stellen sich hierbei auch Fragen künftiger Kompetenzverteilungen und verbleibende Möglichkeiten zur Einflussnahme seitens der Vereinsorgane. Entschieden wird in sämtlichen Organen, falls keine anderslautenden Regelungen festgehalten sind, mit einfacher Mehrheit der Anwesenden Mitglieder (mindestens 50 Prozent plus eine Stimme); ein Gleichstand der Stimmen bedeutet Ablehnung.
Die Mitgliederversammlung (im folgenden auch Jahreshauptversammlung [JHV] genannt) wird durch die Satzung explizit als das oberste Organ des Vereins genannt, welches diejenigen Angelegenheiten ordnen soll, die nicht kategorisch in den Aufgabenbereich anderer Organe fallen. Sie findet immer spätestens sechs Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres statt (laut Satzung läuft dieses am 30. Juni ab)2. Auf der JHV kommen alle übrigen Organe des Vereins mindestens in Anwesenheit der jeweiligen Vorsitzenden zusammen und haben die Pflicht, der Versammlung Bericht über vergangene Aktivitäten ihres Gremiums zu erstatten. Letzteres verweigerte der Vorsitzende des Aufsichtsrates beziehungsweise dessen Vorgänger auf der zurückliegenden JHV am 5.12.2016, was mit Rückgriff auf die Satzung zu Kritik seitens einiger Versammlungsteilnehmer geführt hatte.
Besonders hervorzuheben sind die auf der Versammlung ausübbaren Rechte der Mitglieder, welche in jedem Fall die Abstimmung über die Entlastung des Präsidiums für das abgelaufene Geschäftsjahr beinhalten und etwaige Wahlen von verschiedenen Organen des Vereins, zum Beispiel des Aufsichtsrates. Wird das Präsidium durch die anwesenden Mitglieder auf einer JHV nicht entlastet, so hat dies keine unmittelbaren Folgen. Da dieses Votum jedoch einer Ablehnung des Präsidiums gleichkommt, könnte deren Rücktritt oder die Einberufung einer außerordentlichen JHV zur Abberufung durch den Aufsichtsrat (Entscheidung mit zwei Drittel der Stimmen der Mitglieder) die Folge sein. Stimmberechtigt sind auf Mitgliederversammlungen jene anwesenden, volljährigen Mitglieder, die eine mindestens einjährige Mitgliedschaft im Verein vorweisen können.
Ebenfalls zwei Drittel der Stimmen sind laut Satzung notwendig, um eine Satzungsänderung zu beschließen.
Um eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, sind entweder ein Fünftel aller stimmberechtigter Mitglieder nötig oder ein Beschluss des Präsidiums (durch einfache Mehrheit) beziehungsweise des Aufsichtsrates (mit mindestens zwei Dritteln der Stimmen), welche dann binnen vier Wochen einberufen werden muss.
Das Präsidium, häufig auch Vorstand genannt, leitet den Verein und führt seine Geschäfte. Es hat somit die Funktion eines Verwalters und repräsentiert gleichzeitig den Verein nach außen. Unter anderem beaufsichtigt das Präsidium die Geschäftsstelle, verwaltet das Personal und führt die Beschlüsse der Mitgliederversammlung aus. Zudem fallen alle Angelegenheiten den Sport- und Spielbetrieb und damit auch den Betrieb der ersten Profimannschaft betreffend in seinen Aufgabenbereich. Bei besonders wichtigen Entscheidungen (z. B. größere Investitionen, Verkauf von Grundstücken) muss der Aufsichtsrat zustimmen.
Gewählt wird das Präsidium, welches aus zwei bis sechs Mitgliedern besteht, durch den Aufsichtsrat, indem dieser zunächst einen Präsidenten bestimmt, welcher dem Aufsichtsrat weitere Präsidiumsmitglieder zur Wahl vorschlägt. Die Amtsdauer beträgt drei Jahre. Die Mitgliederversammlung hat auf die Besetzung und Entscheidungen des Präsidiums keinen direkten Einfluss. Eine Abwahl kann nur auf Initiative des Aufsichtsrates erfolgen.
Der Aufsichtsrat übernimmt die Funktion eines Beratungs- und Kontrollorgans. Dies betrifft vor allem das Präsidium, dessen Aktivitäten der Aufsichtsrat überwachen und gegebenenfalls eingreifen soll. Gemeinsam mit dem Präsidium wird zudem über den Haushaltsplan entschieden.
Um Mitglied des Aufsichtsrates zu werden, muss zunächst der Ehrenrat einer Bewerbung zustimmen, um daraufhin den Bewerber in Rücksprache mit dem Präsidium und dem amtierenden Aufsichtsrat der Mitgliederversammlung vorzuschlagen. Diese wählt sechs der Kandidaten jeweils einzeln. Der Aufsichtsrat kann sich nach seiner Wahl beliebig auf bis zu elf Mitglieder aufstocken. Eine Veto-Möglichkeit für nicht gewählte, nach der Wahl einberufene Kandidaten durch andere Vereinsorgane besteht nicht. Auf diese Weise schaffte es Thomas Bäumer im Jahr 2015 erneut Aufsichtsratsvorsitzender zu werden, ohne durch die Mitgliederversammlung in Form einer Wahl bestätigt worden zu sein.
Der Ehrenrat ist ein weitgehend unabhängiges, da nicht an Weisungen anderer Organe gebundenes Gremium, welches die „Disziplinargewalt“ im Verein ausübt. Sowohl Schlichtungsverfahren als auch Disziplinarmaßnahmen bis hin zu einem Vereinsausschluss gegen Mitglieder liegen in der Kompetenz des Ehrenrates. Zudem überwacht er die Ehrung langjähriger Vereinsmitglieder.
Fünf Personen werden durch die Mitgliederversammlung für eine Dauer von drei Jahren gewählt. Das Organ muss in der Folge noch mindestens aus zwei Mitgliedern und einem Vorsitzenden (mit Befähigung zum Richteramt) bestehen, um beschlussfähig zu sein.
Im Revisionsausschuss werden die Geschäfte des abgelaufenen Jahres und die finanzielle Situation des Vereins geprüft. Die Ergebnisse werden auf der Jahreshauptversammlung den Mitgliedern berichtet. Gewählt werden drei Mitglieder für den Revisionsausschuss durch die JHV für zwei Jahre.


1. Wohl auch deshalb war es in der Vergangenheit möglich, Aussehen und Gestalt des Adlers mehrfach abzuändern (zuletzt im Jahr 2006).

2. Wie in I., § 2 der Vereinssatzung festgehalten ist, entspricht das Geschäftsjahr des Vereins dem des DFB. Es ist angegeben in der Zeit vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Dies steht jedoch im Widerspruch zur Satzung des DFB, in welcher das Geschäftsjahr als dem Kalenderjahr entsprechend ausgewiesen wird. Dementsprechend müsste die Mitgliederversammlung im Frühling oder zu Beginn des Sommers, nicht wie aktuell im Herbst/Anfang Winter angesetzt werden.

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