4. Sponsoren, Investoren & 50+1

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Sponsor und einem Investor? Der Sponsor überweist dem Verein eine gewisse Summe in einem gewissen Zeitraum und erhält dafür als Gegenleistung Werbeplätze (z. B. Durchsagen, Banden, Trikot etc.) und Eintrittskarten/Logenplätze. Diese „klassische“ Form der Verflechtung von Wirtschaft und Fußball findet sich bis in die unterste Amateurliga und den Jugendfußball. Nach Ablauf eines Sponsorenvertrages wird entweder verlängert oder die Wege trennen sich.

Der Investor hingegen kauft sich einen Anteil an der Kapitalgesellschaft, die dem Verein gehört. Er überweist dem Verein einmalig eine gewisse Summe und erhält dafür eine bestimmte Anzahl an finanziellen und/oder stimmhaften Anteilen der Kapitalgesellschaft. Diese Partnerschaft zwischen Verein und Investor, die sich fortan über alle Entscheidungen abstimmen müssen, endet erst, wenn der Investor seine Anteile wieder verkauft.

Seit 1998 sind Ausgliederungen und darüber auch Investoren im deutschen Fußball erlaubt. Gleichzeitig mit der Einführung dieser Möglichkeit verabschiedete der DFB jedoch auch die Schutzklausel „50+1“, die zwei Jahre später auch von der DFL übernommen wurde. Diese besagt, dass der Ursprungsverein immer mindestens 51% der stimmhaften Anteile an der ausgegliederten Kapitalgesellschaft besitzen muss. Damit sollte eine vollständige Investorenabhängigkeit wie beispielsweise in England vermieden werden. Ein Sonderstatut, das eine mehr als zwanzigjährige Unterstützung eines Vereins durch ein Wirtschaftsunternehmen vor dem 1.1.1999 forderte, erlaubte jedoch zwei Ausnahmen: Bayer bei Leverkusen und VW bei Wolfsburg. Mittlerweile ist durch den Druck von Martin Kind der Stichtag aus dem Sonderstatut gestrichen worden und es bleibt nur noch die Voraussetzung eines mehr als zwanzigjährigen Engagements. Einige Juristen sehen durch diese Ausnahmen die Autorität der Regel gefährdet. Aber auch die grundsätzliche Rechtmäßigkeit von „50+1“ ist umstritten, sie soll gegen europäische Grundfreiheiten wie die Warenverkehrs- und Niederlassungsfreiheit verstoßen. Dies könnten nur Gerichte klären, der DFB/die DFL scheinen das jedoch vermeiden zu wollen, da sie dem mit Klage drohenden Martin Kind schließlich doch lieber seinen Willen gaben. Auch darüber hinaus scheint die Bestandskraft der „50+1“-Regel für die Zukunft äußerst fraglich, da immer wieder führende Fußballmanager und Sportvorstände eine Abschaffung fordern, um mehr Investoren und somit mehr Geld in die Liga zu locken.

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