3. Welche Gesellschaftsformen gibt es?

Mit der Satzungsänderung von 1998 ermöglichte der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dass durch eine Ausgliederung Teile eines eingetragenen Vereins – vornehmlich der Profi-Abteilung – als Kapitalgesellschaft mit entsprechendem Lizenzerwerb nach Antrag am Ligabetrieb teilnehmen dürfen, vorausgesetzt sie erfüllen die 50+1-Regel, die besagt, dass der Stammverein weiterhin 50+1 % der Stimmrechte an der Gesellschaft halten muss. Der DFB und ab 2000 die DFL sehen für diese Möglichkeit drei Gesellschaftsformen vor, die für die Teilnahme am Ligabetrieb berechtigen: die GmbH, die AG und die GmbH & Co. KGaA.

Die GmbH
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) bietet sich für Vereine an, die einen einzigen Investor (bspw. einen Hauptsponsor) als Gesellschafter einbinden wollen, als Beispiele dienen hier die Werksteams aus Leverkusen oder Wolfsburg, auch RB Leipzig, die TSG Hoffenheim oder der FC Ingolstadt 04 sind in einer GmbH organisiert.
Vorteil dieser Gesellschaftsform ist es, dass die Gesellschaft nicht unbeschränkt haftet, wie es bei einem eingetragenen Verein in der Regel der Fall ist, sondern nur mit dem Stammkapital. So ist es möglich, dass ein eingetragener Verein nach Insolvenz der GmbH weiter besteht, wie bspw. der TuS Koblenz. Die Veräußerung von Kapitalanteilen ist aber verhältnismäßig schwierig, da die eintretenden Gesellschafter das durch die GmbH festgelegte Stammkapital als Kapitaleinlage hinterlegen müssen und somit haften. Zu bedenken ist aber, dass ein Gesellschafter in der Regel von Gewinnen der GmbH finanziell profitieren möchte. Zudem sind personelle Überschneidungen zwischen dem Verein und der GmbH möglich.

Die GmbH & Co. KGaA
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien (GmbH & Co. KGaA) ist eine besondere Kapitalgesellschaft, die insbesondere im Profifußball in den meisten Fällen bei einer Ausgliederung gewählt wird. Die Geschäftsführung der GmbH & Co. KGaA wird vom haftenden Komplementär bestimmt, in jedem Fall ist der haftende Komplementär der Verein, organisiert durch eine GmbH, die der Verein für diesen Zweck gegründet hat, wodurch der Verein weiterhin das Kommando behalten soll und gesamtschuldnerisch haftet.
Der sog. Kommanditist oder Kommanditaktionär (i. d. R. die Investoren) hat für den Erwerb von Anteilen an der Gesellschaft eine Kapitaleinlage erbracht, die sog. Kommanditeinlage. Der Kommanditist haftet nur mit dieser Einlage. Laut DFB (Statut 3. Liga, § 9 Punkt 5) und DFL (Lizenzierungsordnung, § 8 Punkt 10) beträgt diese – auch gezeichnetes Kapital genannte – Kommanditeinlage in der 3. Liga mindestens 1 Mio. Euro und in den ersten beiden Ligen mindestens 2,5 Mio. Euro. Durch die Beschränkung dieser Haftsumme besteht für den Kommanditisten der Vorteil, dass er mehr Geld investieren kann, aber mit weniger Geld haftet, somit weitaus mehr Anteile bedenkenloser erwerben kann.
Vorteil dieser Gesellschaftsform ist die leichtere Veräußerung von Kapitalanteilen über Aktien, in die das Grundkapital (das sog. Kommanditkapital) der GmbH zerlegt ist. Auch eine drohende, feindliche Übernahme ist gemindert, dadurch dass die GmbH den Kommanditisten bestimmen kann durch seine Zustimmung. Jedoch haftet der Komplementär, also die vereinsbestimmte GmbH, persönlich und gesamtschuldnerisch. Auch hier ist zu bedenken, dass ein Kommanditist, also ein Investor, in der Regel von Gewinnen der GmbH & Co. KGaA finanziell profitieren möchte. Ebenfalls möglich sind personelle Überschneidungen zwischen dem Verein und der GmbH & Co. KGaA.

Die AG
Die Aktiengesellschaft (AG) ist eine Gesellschaftsform, bei der die erwerbbaren Aktien auf dem Markt von Jedermann erworben werden können, dadurch sind feindliche Übernahmen einfacher möglich. Der von den Aktionären zu wählende Aufsichtsrat der AG bestimmt einen Vorstand, der diese AG dann führt. Deshalb muss der Verein 50+1 % der Aktien halten. Personelle Überschneidungen zwischen dem Verein und der AG sind auch in diesem Fall möglich. Vorteil ist die einfachere Beschaffung von Kapital, Nachteil ist das Damoklesschwert einer feindlichen Übernahme, das theoretische Mitspracherecht der Aktionäre sowie die Ausschüttung von Gewinnen an die Aktionäre.

In allen Fällen ist das Mitspracherecht der Vereinsmitglieder gemindert, weshalb viele Vereine eine dementsprechend angepasste Vereinssatzung haben, damit weiterhin ein Mitgliedereinfluss auf die Vereinspolitik gegeben ist. Ein vollumfänglicher Mitgliedereinfluss – wie in einem eingetragenen Verein – ist in der Regel aber nicht mehr möglich. Zudem kann die personelle Überschneidung zwischen den jeweiligen Gesellschaftsformen und dem Verein zu einer Aushebelung der 50+1-Regel führen.

Advertisements