Unser e.V. der Zukunft

Der folgende Kommentar stammt aus dem gemeinsamen Sonderheft der Redaktionen von Omertà und O-Ton zur Ausgliederungsdebatte, welches beim vergangenen Heimspiel gegen Großaspach (09.12.) verteilt wurde. Den Adler im Herzen veröffentlicht den Text mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Uns Ausgliederungsgegnern wird tatsächlich immer wieder vorgeworfen wir würden keine Gegenvorschläge und Pläne für die Zukunft unseres Vereines aufstellen. Jedoch nur weil ich gegen einen Vorschlag der Vereinsführung bin, stehe ich nicht zwangsläufig in der Pflicht eigene Modelle zu entwerfen. Möglicherweise bin ich mit der aktuellen Situation auch zufrieden oder mir fallen keine nennenswerten anderen Ideen ein? Das verwehrt mir jedoch trotzdem nicht, gegen die Ausgliederungspläne zu sein. Die Argumente wurden abermals und ausführlich an diversen Stellen erläutert. Doch so ehrlich muss ich sein. Der Status Quo überzeugt auch mich nicht vollständig. Daher lasst mich im folgend ein paar Gedankengänge zur möglichen Zukunft unseres Vereins präsentieren.

Sportliches Abschneiden
Immer wieder tritt in der Debatte um die mögliche Ausgliederung das Argument auf, dass der aktuelle sportliche Status Quo in der dritten Liga auf Dauer nur durch zusätzliche Gelder aus Investorenhand gehalten werden könne. An einen Aufstieg wäre in der jetzigen finanziellen Situation nicht zu denken. Auch der Bau eines scheinbar so dringend benötigten Jugendleistungszentrum wäre nicht zu stemmen. Möglicherweise mag an diesen Argumenten ein gewisser Wahrheitsgehalt dran sein. Doch steht es wirklich so schlecht um unsere Jugendabteilung? Ich sehe rein faktisch eine U19, die mit den Jugendmannschaften einiger Erst- und Zweitligisten mithält und aktuell im gesicherten Mittelfeld der A-Junioren Bundesliga West steht. Eine U17, die in der B-Junioren Bundesliga Schritt halten kann und sich mit Mannschaften unter ganz anderen Gegebenheiten gut messen kann. Oder auch die U15, die keine schlechte Rolle in der C-Junioren Regionalliga West spielt. Ganz zu schweigen von diversen Jugendspielern, die in den letzten Jahren den Weg in den Profikader gefunden haben oder Spielern der U23, die immer wieder bei den Profis reinschnuppern und die ersten Einsätze sammeln. Niemand kann abstreiten, dass Spieler wie Lennart Stoll, Simon Scherder, Max Schulze-Niehues oder Lion Schweers keinen Gewinn für unsere erste Mannschaft sind. Also auf den ersten Blick scheint unsere Jugendarbeit gar nicht so schlecht zu sein, auch wenn die Rahmenbedingungen natürlich besser seien könnten. Aber die könnten es immer sein und zu glauben, dass man sich nach einer möglichen Ausgliederung mit den Jugendmannschaften der Bundesligisten messen könnte, halte ich für sehr abwegig, da diese uns seit geraumer Zeit deutlich voraus sind. Gewisse Unterschiede können aktuell scheinbar durch sehr viel freiwilliges Engagement und Herzblut bei der Arbeit ausgeglichen werden und das ist auch gut so. Eine sehr vorbildliche Einstellung zum Verein, die viele hier an den Tag legen.

Spannen wir den Bogen weiter zur ersten Mannschaft und können auch dort feststellen, dass wir ein etablierter Drittligist sind und mittlerweile im siebten Jahr in Folge in dieser Klasse spielen. Die Spielzeiten wurden bis auf das erste Drittligajahr 2011/12 immer mit einem Platz in der oberen Tabellenhälfte abgeschlossen, auch wenn die Spielzeiten meist durch eine unterirdische Halbsaison geprägt waren. Auch rein faktisch am Marktwert des kleinen Kaders bemessen, befindet sich unser Verein im Mittelfeld der dritten Liga. Also wieso wird immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Ausgliederung unbedingt von Nöten sei? Durch eine bessere finanzielle Lage mögen sicherlich die Rahmenbedingungen bei der Kaderzusammenstellung besser sein und der von Seinsch initiierte Traum von der ersten und zweiten Liga könnte einen gewissen Grad näher rücken. Im gleichen Zuge wird darauf hingewiesen, dass ein Verbleib ohne Ausgliederung in der dritte Liga nur schwer vorstellbar ist, da andere Vereine sprichwörtlich an uns vorbeiziehen würden. Ich persönlich frage mich an dieser Stelle ob der Zug für die ersten beiden Ligen nicht schon vor langer Zeit abgefahren ist und wieso wir mit aller Kraft versuchen, diesem mit blutenden Füßen versuchen hinterherzurennen anstatt uns mit der Existenz in der dritten Liga zufrieden zu geben. Natürlich ist ein Aufstieg eine geile Sache und der sportliche Erfolg ist für den gemeinen Fan der größte seiner Wünsche. Doch zu welchem Preis? Ich möchte mit meinem SC Preußen Münster nicht unbedingt Teil der Bundesligashow sein und mich in München von Lasershows benebeln lassen, die von Eventleitern geplant werden oder an einem Montagabend in Sandhausen spielen, damit sich Leute auf dem Sofa samt Pay-TV noch mehr Spiele in die Birne kloppen können. Auch wenn die dritte Liga in Teilen schon Auswüchsen dieses Kommerzialisierungs- und Eventisierungswahns ausgesetzt ist, entspricht der Besuch im altehrwürdigen Preußenstadion doch noch deutlich eher meinen Vorstellungen von einem Fußballspiel. Getreu dem Motto: Alles kann passieren, aber nichts muss passieren, habe ich mich mit der dritten Liga abgefunden und muss nicht zwingend durch eine Ausgliederung jegliche meiner verinnerlichten fußballromantischen Werte aufgeben, um Chancen für einen Aufstieg in die oberen Spielklassen zu erhöhen. Diese auf rationaler Planbarkeit fußenden Bestrebungen entsprechen nicht meinem Willen. Ich muss nicht am Montag auf der Arbeit damit prahlen, wie erfolgreich mein Verein doch Fußball spielt und mich mit den Sofahengsten an Dortmund-, Schalke- und Bayernfans messen.

Finanzielle Situation
Die eben Erwähnten erzählen immer wieder von neuen Rekordumsätzen oder wilden Spielertransfers. Umsätze, die denen einiger Wirtschaftsbetriebe gleichen und Transfersummen, wo einem einfach nur zum Kotzen ist. Und genau Teil dieses Systems möchte ich nicht sein. Preußen Münster war auf einem guten Weg. Hatte sich nach einem jahrelangen Sparkurs entschulden können. In der dritten Liga sicherlich eine Seltenheit, auf der finanziell sicheren Seite zu stehen, während Mitkonkurrenten um Chemnitz, Osna oder neuerdings Erfurt seit Jahren rote Zahlen schreiben und immer wieder auf kommunale Kredite zurückgreifen müssen. Andere Vereine hatte es zuvor schon deutlich schlimmer erwischt, wenn ich mich an Offenbach oder Aachen zurückerinnere. Solche Horrorszenarien waren uns über die Jahre erspart geblieben. Doch nun mussten auch wir feststellen, dass uns scheinbar 2,5 Millionen Euro Schulden plagen. Die Frage der Fragen an dieser Stelle ist, wie diese zustande kommen. Ich vertrete dabei die feste Meinung, dass in den letzten Jahren durch einige Vereinsoffizielle von der zuvor propagierten Strategie, dass nur ausgegeben wird, was auch eingenommen wurde, bewusst abgewichen wurde. Namen oder Schuldige möchte ich an dieser Stelle nicht nennen, da mein Wissen über genaue Vorgänge dazu nicht ausreicht. Für mich ist jedoch klar, dass ein entschuldeter Verein mir deutlich wichtiger ist, als das Eingehen von Risiken für mögliche Aufstiege. Alles kann halt, nichts muss zwingend sein. Ein Motto, welches sicherlich auch bei den Vereinsoffiziellen einiges an Druck rausnehmen würde.

Ein solide aufgestellter eingetragener Verein mit Nähe zu seinen Mitgliedern ist und bleibt mir letztendlich deutlich lieber als ein Unternehmen à la Hannover 96. Ich kann mich damit abfinden, nicht beim Konzert der Großen mitspielen zu können. Sicherlich ist es aber auch so, dass unser Verein an einigen Stellschrauben etwas verändern muss um weiterhin eine Basis für die dritte Liga zu haben. Mit einem Satzungsänderungsantrag haben sich vier engagierte Preußenfans bereits im letzten Jahr probiert. Dabei ging es lediglich um eine Aktualisierung unserer in die Jahre gekommen Satzung mit der es überhaupt fraglich ist, ob wir so am Spielbetrieb der dritten Liga teilnehmen dürfen. Die Arbeit der Antragsteller wurde leider keineswegs honoriert und durch unsere aktuelle Vorstandsebene in ein völlig falsches Licht gerückt, sodass der Antrag abgelehnt wurde. Wirklich traurig zu sehen, wenn sich die meisten Mitglieder die Anträge nicht einmal durchlesen und sich nicht damit befassen, obwohl der Antrag schriftlich zwei Wochen vor der letztjährigen Jahreshauptversammlung allen Mitgliedern zugesandt wurde. Genau diese Mitglieder sind es dann, die den Aussagen der Vereinsführung blind hinterher rennen, während man doch nur versucht hatte, den Status Quo zu verbessern. Zumindest hat die Vereinsführung im Nachgang erklärt, dass sie die Änderungen nach genauerer Betrachtung gerne aufgenommen hätte. Aber genau an dieser Stelle fängt ein lebendiger Verein an, erfolgreich zu werden, wenn sich Mitglieder Gedanken machen und sich engagieren. Gegebenenfalls gibt es auch Möglichkeiten über eine Satzungsregelung, die Geschäftsvorgänge transparenter zu machen um sie der Transparenz einer ausgegliederten Gesellschaft anzupassen und diesen möglichen Vorteil auszugleichen. Dazu benötigt es aber engagierte Mitglieder und eine Vorstandsriege, die diesen Weg in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern mitgehen möchte und sich bewusst ist, dass mögliche Arbeitskreise unseren Verein voranbringen können. Auch in Sachen Merchandising dürfte einer Zusammenarbeit theoretisch nichts im Wege stehen, um einigen grässlichen Fanshop-Artikeln ein Ende zu bereiten. Möglicherweise finden durch einige neue Ideen durch Mitglieder auch mal Artikel den Weg in die Kurve oder den eigenen Kleiderschrank. Aktuell sind diese Dinge nicht wirklich begehrt. Andere Vereine haben es bereits vorgemacht, indem sie die Mitglieder über die Trikots der nächsten Saison entscheiden lassen haben oder Vorschläge für T-Shirts gesammelt haben. In anderen Vereinen ist es üblich, dass Mitglieder der aktiven Fanszene an der Ideenentwicklung mitarbeiten. Möglicherweise ließe sich so auch einen finanzieller Mehrwert erzeugen von dem auch die Vereinskasse profitieren würde.

Vereinsleben
Vielleicht ist es einfach mal an der Zeit, die aktiven Fans als wirklichen Mehrwert zu akzeptieren, die dem Verein sicherlich nichts böses wollen, und ihre Fähigkeiten, Ideen und Kompetenzen zu nutzen. Eine große Fankurve organisiert sich schließlich auch nicht von alleine. Hier sitzen einige kluge, engagierte und motivierte Köpfe, die den SC Preußen Münster nach ihren Vorstellungen gerne in Zukunft näher mitgestalten würden. Ein Beispiel waren die angebotenen Gespräche und anfänglichen Ideen, die Ausgliederung mitgliederfreundlich mitzugestalten. Eine Antwort darauf hat es nie gegeben. Die Offiziellen wollten ihren Weg alleine gehen. Aber genau so findet kein Vereinsleben statt. Es ist an der Zeit, die Basis mit einzubeziehen. Nur so kann es funktionieren, ohne ständig miteinander im Knirsch zu sein. Eine direkte, ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe braucht es.

Das Engagement der Mitglieder könnte natürlich deutlich ausgeprägter sein. Es ist wirklich traurig zu sehen, wie wenig Menschen im Umfeld des SC Preußen Münster etwas auf die Beine stellen. Vor jedem, der in irgendeiner Weise aktiv für das Vereinsleben unseres Vereines ist, gilt es, höchsten Respekt zu haben. Von den Verantwortlichen kommt hier herzlich wenig. Dies lässt sich einfach an dem Beispiel der neuen Image-Kampagne Torschützenverein seit 1906 festmachen. Eine Kampagne, die durch eine externe Marketingagentur entworfen wurde, ein Schriftzug der auf jeglichen Spieltagsflyern und dem Bus des Vereins prangt und doch so gar nicht mit Inhalt gefüllt wird. Schaut man in die Historie und die Bräuche des Münsterlandes, fällt auf, dass die Schützenfeste hier eine lange Tradition haben. Doch was haben diese Schützenfeste mit Fußball und unserem SC Preußen Münster zu tun? Wahrlich recht wenig. Einziger Ansatzpunkt sind vielleicht die traditionellen eigenen Preußenschützenfeste der Altherrenabteilung, die zum Beispiel in den 1960er Jahren gefeiert wurden. Jedoch wage ich zu bezweifeln, dass dieses den Initiatoren überhaupt bewusst war?! Der Effekt der Kampagne scheint auf den ersten Blick gen null zu streben. Niemand wird sich mit dieser Kampagne identifizieren, deswegen Mitglied werden oder als neuer Sponsor fungieren. Auch wird sie sicherlich nicht den Bekanntheitsgrad unseres Vereins erhöhen, wenn sich niemand mit der Kampagne identifiziert.

Doch wie kann es anders laufen? Stattdessen könnte in einem Arbeitskreis zwischen Fans und Offiziellen eine gemeinsame Kampagne entwickelt werden. Diese könnte durch die Fiffi-Gerritzen-Kurve aufgenommen werden und verbreitet werden. Den größten Wert zur Außendarstellung bietet tatsächlich die Fankurve. Wieso diese Potentiale nicht nutzen? In diesem Zuge denke ich an gemeinsame Veranstaltungen, Fanartikel, Gewinnung von Mitgliedern. Alles erste Ideen, um einen eingetragenen Verein zukunftsfähig und mitgliedernah weiterzuentwickeln. Das wären erste Ansätze für ein aktives Vereinsleben. Bereits jetzt schafft es die Kurve, eigene Spieltagsplakate in der gesamten Stadt anzubringen, finanziert aus eigener Tasche. Wieso nicht irgendwann zusammen als eingetragener Verein an Schulen im gesamten Münsterland Werbung machen? Preußenfans kommen schließlich aus allen Ecken des Münsterlandes. Vieles hört sich für euch wahrscheinlich wie Träumerei an, aber man muss auch dazu bereit sein, einen anderen Weg als jenen der großen Masse zu gehen, um einzigartig sein zu können.

Aushängeschild Preußen Münster
Und genau durch diese Mitgliedernähe und gemeinsame Entwicklung von Zielen und Maßnahmen kann unser Sportclub zum Aushängeschild des Münsterlandes werden. Der Verein beginnt mit seinem alljährlichen Weihnachtsmarktstand und einem dauerhaften Fanshop in den Arkaden sicherlich schon, präsenter in der Stadt zu sein. Wäre es nicht ein Traum, wenn in Zukunft anstelle von hässlichen Lackaffenbildern an jeglichen Wänden und Stromkästen der Stadt legale Preußenbilder glänzen würden? Oder der Verein in Zusammenarbeit mit der Fanszene legal Wände gestaltet und Preußen Münster immer mehr Anklang in unserem Stadtbild findet? Sicherlich keine bloße Träumerei, sondern an anderen Stellen in Deutschland stetiger Alltag. In Erfurt sind bereits heute unzählige Auftragsarbeiten ausgeführt worden und in Stadt- und Stadionumfeld sind immer wieder schöne Wandarbeiten zu sehen. Erweitert man das Blickfeld dann fällt mir direkt der letztjährige Stand der Fiffi-Gerritzen-Kurve beim Stadtteilfest in Berg Fidel ein. Die ausschließlich positiven Rückmeldungen durch Kinder, Eltern und Veranstalter geben Anlass sich weiter für Kurve und Verein zu engagieren. Von dieser Aktion hat sicherlich auch das Image des Vereins profitiert. Es sind scheinbar vielmehr die kleinen Aktionen, die direkt an den Alltag und das Leben der Menschen anknüpfen, als inhaltslose, externe Imagekampagnen. Aber wieso nicht in Zukunft gemeinsam einen Weg als eingetragener Verein einschlagen? Nur, damit wir zu diesem vielleicht einzigartigen Verein in unserer Region werden, müssen wir eben auch einzigartig sein und das geht sicherlich nicht, wenn wir mit auf den Goldschlitten der Verbände aufspringen und blinder Teilnehmer einer immer krankeren Fußballwelt werden. Wir wollen ein mitgliedergeführter Traditionsverein von den Menschen und für die Menschen sein. Dazu bedarf es Anstrengungen der Mitglieder, aber ich bin der festen Überzeugung, dass das Potential und der Wille vorhanden ist, den eingetragenen Verein der Zukunft mitzugestalten. Das e.V.-Modell ist kein Auslaufmodell! Preußen Münster: sei anders!

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